Trennung im Alter - Risiken & Möglichkeiten

Erfahre in diesem Artikel, was Du über die Trennung im Alter wissen solltest.

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Paare leben sich auseinander, verlieben sich neu oder beenden ihre Beziehung aus einem anderen Grund. Trennungen sind nicht schön, aber doch kommen sie vor, und zwar in allen Altersklassen. Trotzdem haben es ältere Menschen ungleich schwerer, wenn sie sich für das Beziehungsaus entscheiden. Wirtschaftliche, emotionale und organisatorische Aspekte fallen deutlicher ins Gewicht, als bei der jüngeren Generation.

 

Eine Gesellschaft im Wandel

Dass die Scheidungsrate in zunehmendem Alter steigt, hängt vor allem mit der gesellschaftlichen Akzeptanz von Spätscheidungen zusammen. Die konventionelle Ehe bis zum bitteren Ende existiert nicht mehr. Das Bis-der-Tod-uns-scheidet-Modell, allein aus religiösen Gründen oder weil es den traditionellen Erwartungen entspricht, ist veraltet. An seine Stelle treten selbstbewusste Frauen, die beruflich unabhängig sind und eigene Entscheidungen treffen wollen. Digitale Medien helfen bei der Suche nach einem geeigneten Partner, unabhängig irgendwelcher Altersklassen. Die Welt befindet sich im Wandel: Alte Rollenmuster verlieren an Bedeutung. Die höhere Lebenserwartung gepaart mit den globalen Möglichkeiten der Lebensgestaltung motivieren dazu, Neues zu probieren.

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Trennungsgründe im Alter

 Die Gründe für eine Trennung im Alter könnten unterschiedlicher nicht sein:

 Kinder trüben den Blickt auf die eigene Beziehung. Die Ehe muss der Kinder willen funktionieren. Jeder übernimmt einen Part und fokussiert sich auf das große Ganze. Sobald die Kinder in ein Alter kommen, indem sie das Elternhaus verlassen, brechen die festen Strukturen ineinander zusammen. Ziele werden neu definiert. In dieser Phase stellen die Lebenspartner häufig fest, dass sie sich nicht mehr verbunden fühlen. Sie haben all die Jahre nicht in sich hineingehorcht und den Zeitpunkt verpasst, an dem die Ehe auseinanderlief.

Doch auch das Berufsleben verändert den Blick auf die eigene Ehe. Frauen von heute passen nicht mehr ins klassische Bild. Sie sind wirtschaftlich unabhängig und genießen dadurch zusätzliche Freiheiten. Das schlägt auf die Scheidungsbereitschaft der Frauen durch.

Der Arbeitsalltag trägt aber noch aus einem weiteren Grund zum Scheitern von Beziehungen bei: Nämlich dann, wenn er entfällt. Viele interpersonelle Defizite innerhalb der Partnerschaft, wie innere Distanz oder emotionale Differenzen, können durch andere Sozialkontakte, wie zum Beispiel durch die Arbeitskollegen, kompensiert werden. Bricht dieses soziale Netz mit dem Renteneintritt auseinander, entfällt dieser Ausgleich und Beziehungsmängel werden intensiver wahrgenommen.

Die Partnerschaft kann sich aber auch schleichend auflösen. Gewohnheiten und Alltägliches statt Kribbeln im Bauch und Abenteuer. Langeweile, auch auf sexueller Ebene, können zur dauerhaften Entfremdung der Eheleute beitragen und im Trennungswunsch ihren Abschluss finden.

Natürlich kann es auch zu Vorkommnissen gekommen sein, die eine sofortige Trennung erfordern: Häusliche Gewalt, Alkohol- oder Drogenkonsum oder Seitensprünge belasten das Vertrauensverhältnis derart, dass die Beziehung nicht fortgeführt werden kann.

 

Trennung: Chance oder Risiko?

In der akuten Streitsituation werden partnerschaftliche Probleme gerne überbewertet. Die guten Eigenschaften des jeweils anderen und die positiven Aspekte der Beziehung verblassen. Ist die Trennung aber erst einmal vollzogen, treten sie wieder ins Bewusstsein. Erst dann wird klar, was einem wirklich fehlt. Einigen fällt es schwer, den Verlust auszuhalten und emotional zu verkraften. Der Expartner oder gemeinsame Freunde brechen als emotionale Stützen weg. Personen, die psychisch labil sind oder Angst davor haben, von ihren Emotionen überrannt zu werden, sollten sich rechtzeitig um ein soziales Netz bemühen, das sie in der Krise auffängt.

Bei dem Gefühlschaos fallen sachliche Aspekte schnell unter den Tisch. Organisatorische Fragen, die mit der Trennung und dem Auszug verknüpft sind, sollten aber unbedingt berücksichtigt werden – für Gegenwart und Zukunft gleichermaßen. Wie läuft der Umzug ab? Wer hilft beim Transport von schweren Gütern? Wo können Einrichtungselemente gekauft werden, die beim Ehegatten bleiben? Wer hilft im Krankheitsfall? Welche Kosten fallen an?

Eine Scheidung im Alter kann immense wirtschaftliche Folgen haben. Manch einer kann sich die Scheidung schlichtweg nicht leisten. Denn ohne einen anderslautenden Ehevertrag gilt: Alles wird geteilt. Für Ehegatten, die nicht über genügend Bar- und Bankguthaben verfügen, kann das bedeuten, dass Wertgegenstände verkauft werden müssen. Trennungsunterhalt, Ehegattenunterhalt, Zugewinn- und Versorgungsausgleich – alles monetäre Auffangmechanismen, die für eine finanzielle Gleichstellung der Eheleute sorgen sollen. Der Ehegatte mit dem höheren Einkommen muss dafür tief in die Tasche greifen. Kritisch wird es vor allem dann, wenn offene Bankdarlehen ins Spiel kommen. Die Banken weigern sich häufig, einen der Ehegatten aus dem Vertrag zu entlassen, weil es für sie ein höheres Risiko darstellt. Auch das Scheidungsverfahren kostet Geld. Genauso wie der anstehende Umzug und die Versicherungen/Verträge, die nun jeder für sich selbst abschließen muss. Der Ehegatten- oder Familienrabatt fällt künftig weg.

Unter strategischen Gesichtspunkten ist eine Scheidung also nicht immer sinnvoll. In Abhängigkeit des Einzelfalls kann eine rein faktische Trennung besser sein, auch wenn sie nicht durch ein Scheidungsurteil besiegelt ist.

Fernab kalkulatorischer Gründe können Scheidungen im Alter auch daran scheitern, dass die Lebensumstände des Ehepartners einen Härtefall nach § 1568 BGB begründen. Schwere Krankheiten, religiöse Praktiken oder psychische Krankheiten können dazu führen, dass der Scheidungsantrag bei Gericht abgewiesen wird.

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Alternativen zu einer endgültigen Trennung

In Momenten der Enttäuschung scheint die Trennung häufig die einzige Lösung zu sein. Manches Mal lohnt es sich aber, mögliche Alternativen in Betracht zu ziehen.

Unstimmigkeiten innerhalb der Beziehung können mithilfe eines Familien- oder Ehetherapeuten aufgearbeitet werden. Häufig empfinden beide Partner anders und haben gute Gründe für das was sie tun. Im Rahmen einer professionellen Beratung haben die Beteiligten Gelegenheit dazu, Verständnis für den jeweils anderen zu entwickeln und gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten.

Spezifische Selbsthilfegruppen funktionieren ähnlich. Dort können Themen erörtert werden, die zu Hause kein Gehör finden. Andere Betroffene setzen neue Impulse, die dabei helfen, die vorherrschende Krise zu bewältigen.

Gespräche müssen aber nicht unbedingt fremdbegleitet werden, damit sie funktionieren. Der direkte Austausch mit dem Partner, in ruhiger Atmosphäre an einem geeigneten Ort, kann wahre Wunder bewirken. Häufig findet sich dann doch ein Weg, wie die Ehe fortgeführt werden kann.

Falls dem nicht so ist, die Scheidung aber als zu radikal empfunden wird, können gezielte Absprachen helfen. Die eheliche Wohnung kann zum Beispiel weiterhin von beiden bewohnt werden, die Räumlichkeiten werden aber geteilt. Nutzungspläne bezüglich Bades und Küche verhindern, dass es zu Überschneidungen kommt. Auf den ersten Blick wirken diese Regelungen vielleicht befremdlich. Sie haben aber großen organisatorischen und finanziellen Nutzen für alle daran Beteiligten.

Eine andere Möglichkeit ist die Trennung auf Probe. Der vorübergehende Auszug und Abstand zueinander können Aufschluss darüber gehen, wie es um die Liebe steht. Am Ende steht vielleicht die Erkenntnis, dass es doch viel Gutes gibt, für das es sich zu kämpfen lohnt.